Naturrodelbahn Lienzer Dolomiten

 

Die Idee, am Fuße des Rauchkofels eine Rodelbahn zu errichten, stammt von Gabriel „Gaba“ Egger aus Leisach. Im Ort, der Ende der 70er Jahre als Hochburg des Rodelsports galt, wurden immer wieder große Rennen gefahren. „Nach der internationalen 3-Bahnen-Turnee in Leisach saßen wir mit ein paar hohen Funktionären des Tiroler Rodelverbandes zusammen, da fiel mein Blick auf den Kegel unter dem Rauchkofel. ‚Wie wäre es, wenn man dort eine Rodelbahn bauen würde?’ hab ich dann gefragt“, erinnert sich Gabriel Egger. Das war der erste Schritt, dem bald viele größere folgen würden.

Egger wandte sich 1979 mit der Idee, eine Naturrodelbahn zu errichten, an die Gemeinde und die Agrargemeinschaft Amlach, denen der Grund gehörte. Bgm. Josef Goller und die Agrargemeinschaft zeigten sich begeistert. „‚Wir haben überhaupt nichts in Amlach. Wenn wir eine Bahn hätten, hätten auch unsere Kinder eine Sportstätte’, hat der Bürgermeister damals gesagt“, erinnert sich Gabriel Egger. 
Da vorerst für den Bau kein Geld da war, man das Vorhaben aber unbedingt umsetzen wollte, hieß das Projekt nicht „Naturrodelbahn“, sondern „Forstweg“. Kurz darauf pflockte Bezirksförster Leo Kranebitter mit Gabriel Egger auf dem bewaldeten Schuttkegel unter dem Rauchkofel eine Trasse aus, auf dem dann der Forstweg (er diente als Vorlage für die Naturrodelbahn) errichtet wurde. Der Standort sollte sich durch seine schattige Lage und seine günstige Erreichbarkeit mit dem Auto ohne lange Zufahrt als ideal erweisen. 
Nachdem ein hoher Funktionäre des österreichischen Rodelverbandes bei Landesrat Fridolin Zanon vorgesprochen und ihn gebeten hatte, die Naturrodelbahn unter dem Kofel zu unterstützen, stellte das Land Tirol bald darauf auch prompt über 100.000 S an Fördergeldern zur Verfügung.

 

Eigener Verein notwendig

Nun stand einer Rodelbahn also nichts mehr im Wege. Um die Bahn fertig zu stellen, war aber die Gründung des Vereins für die Errichtung und den Betrieb der Naturrodelbahn Lienzer Dolomiten notwendig. Zum Obmann wurde Gabriel Egger (Stellvertreter: Paul Steiner aus Gaimberg) gewählt. Weiters im Vorstand waren Schriftführer Anton Höller aus Thal (Stellvertreter: Peter Perfler sen. aus Amlach), Kassier Silvester Eichhorner aus Leisach (Stellvertreter: Wolfram Redanz aus Lienz) und Bahnchef Franz Bauer vertreten. Die Gründungsversammlung fand am 5. Oktober 1979 im Gasthof „Gemse“ Berger in Leisach statt. Dem Verein traten die Gemeinde Amlach, die Agrargemeinschaft Amlach, die Gemeinde Leisach, die Stadtgemeinde Lienz, die Sportunionen aus Gaimberg und Leisach sowie die Union Compedal Thal bei.

 

Für Renn- und Volksrodelsport

Wolfram Redanz erstellte in Zusammenarbeit mit Engelbert Fuchs aus Leisach die Projektunterlagen für die Rodelbahn, die vom Amt der Tiroler Landesregierung und der Wildbach- und Lawinenverbauung geprüft wurden. „Durch die Anpassung an das Gelände könnte man eine abwechslungsreiche und kurvige Trassenführung erreichen“, heißt es im Protokoll zur Errichtung der Naturrodelbahn aus dem Jahr 1979. Beim Bau der 1.100 m lange Strecke, die sieben Kehren vorsah, hatten die Verantwortlichen wichtige Punkte zu erfüllen, damit die Trasse nicht nur als Rennstrecke, sondern auch für die Volksrodelsport zu gebrauchen war: Mindestens 3,5 m breit solle sie sein, die Rodler sollten am Start einen offenen Umkehrplatz erhalten, die Böschung müsse man begrünen und vieles mehr.

 

Arbeitsreiche Jahreswende 1979/1980

Nur zehn Tage nach der Gründungsversammlung des Vereins rückten man im Amlacher Waldele zur Schlägerung der Trasse an. Rund einen Monat später wurden die ersten Schubarbeiten geleistet. 
Im Beisein von Obmann Gabriel Egger, Hans Graber, Martin Flörl und Franz Bauer fand am 28. Dezember 1979 die Homologierung der Rodelbahn statt und schon für die nächsten zwei Monate hatte man acht Rodelveranstaltungen und Rennen vorgesehen. 
In der ersten Vorstandssitzung im Jänner 1980 wurde festgesetzt, dass jedes Mitglied für den Bau der Rodelbahn einen einmaligen Beitrag von 5.000 S zahlen sollte. Die jährlichen Einnamen, um die Bahn erhalten zu können, bezieht der Verein aus Mitgliedgliedsbeiträgen und Einnahmen aus Veranstaltungen.

 

Eröffnung der Bahn

Am 24. Feber 1980 schlug für die Bahn die Stunde der Wahrheit. Bei eisigen Graden wurde das Eröffnungsrennen veranstaltet und Landesrat Fridolin Zanon ließ es sich nicht nehmen, die Naturrodelbahn auf dem Schlitten mit im Zweisitzer mit Egelbert Fuchs zu eröffnen. NR und Bgm. Hubert Huber aus Lienz rodelte zur Eröffnung auf dem Zweisitzer mit Europameister Alfred Kogler zu Tale. Obmann Gabriel Egger erinnert sich. „Es war wahnsinnig. Wir hatten minus 25 Grad. Die Musik hat’s nicht mehr ‚daspielt’, dem Pfarrer fror das Weichbrunnkessele ein“, weiß Egger noch heute. 
Schon ein Jahr später entschied man in der Generalversammlung: „Eine Zielhütte bestehend aus Kampfrichterraum, Lautsprecher- und Geräteraum soll heuer noch erreichtet werden.“ Gebaut wurde das Zahlhaus allerdings erst 1987. Zwei Jahre später wurde in 703 m Seehöhe das Starthaus aufgestellt. Bis dahin hatte man sich provisorisch mit der alten Bauhütte geholfen, die jedoch von Schneemassen erdrückt wurde.

 

Modernisierung und Gütesiegelverleihung

Der Platz vor der Starthütte bietet aber nicht nur einen wunderschönen Ausblick über Amlach, Leisach und fast den gesamten Talboden, sondern ist auch Ausgangspunkt für den vor einigen Jahren vom Jägerbataillon Lienz errichteten Garnisonssteig, der zum Alten See führt. Weiters ist der Weg, der vom Goggsteig gekreuzt wird, im Sommer besonders bei Wanderern, Joggern und Mountainbikern beliebt. 
Unter Bürgermeister Franz Idl wurde die Bahnstrecke modernisiert: 1995 konnte der Verein die Bahn durchgehend beleuchten und ließ 24 Lampen aufstellen. Außerdem wurden immer wieder Plankenverbesserungen durchgeführt, ausgewaschene Wegstrecken werden so rasch als möglich wieder aufgefüllt, die über 25 Auskehren ausgeputzt, Strecke und Böschung mehrmals im Sommer gemäht. 
Für den ausgezeichneten Zustand der Bahn und die laufende Kontrolle der Sicherheitseinrichtungen wurde der Naturrodelbahn Lienzer Dolomiten 2002 vom Tiroler Rodelverband das Gütesiegel für Naturrodelbahnen verliehen.
Im Jahr 2006 fuhr abermals der Bagger auf der Rodelbahn auf: Mittels „Spinne“ wurde ein direkter Verbindungskanal zwischen Ziel- und Starthaus gegraben, in den ein Starkstromkabel und die Kabel für die elektronische Zeitnehmung verlegt wurde.

 

Renn- und Jux-Bewerbe

Wichtige Rennen: waren Staatsmeisterschaften im Rennrodeln, die Tiroler Hornschlittenmeisterschaft und die Tiroler Meisterschaften im Touren- und Sportrodeln. Es wurde aber auch Rodlervergleichskampf Osttirol – Kärnten ausgetragen. Wenn es die Schneeverhältnisse zulassen, wird jedes Jahr eine Osttiroler Betriebsrodelmeisterschaft ausgetragen. Daneben gibt es natürlich Dorfrodeltage, „Er- & Sie“-Rodelbewerbe und die Bahn kann auch für Rennen gebucht werden. 
Die Bahn ist bei ausreichend Schnee täglich bis 23 Uhr beleuchtet und für den Volksrodelsport jederzeit kostenlos zugänglich.